
Es gibt Songs, die müssen sich ihre Zeit nehmen(*). Es gibt Songs, die dürfen sich ihre Zeit nehmen, und während sie sich diese nehmen, dürfen diese Songs auch ein bisschen langweilig sein, wenn die Langeweile dazu dient, einen guten Part im Song zur Blüte zu bringen (**). Es gibt Songs, die können sich ihre Zeit nehmen, obwohl es auch anders ginge (***) und es gibt Songs, die nehmen sich ihre Zeit und niemand bekommt es so richtig mit (****).
Natürlich kann nicht jeder etwas mit solchen Songs anfangen. Solche Lieder verlangen manchmal viel Geduld vom Zuhörer, die nicht jeder beim Musikgenuss aufbringen mag. Ich mag solche Songs. Für mich sind sie wie der Beifahrersitz eines Autos. Ich setze mich rein, lasse mich mitnehmen und führe derweil ein Gespräch mit dem Fahrer, schau aus dem Fenster oder lausche einfach dem Radio. Was nach meiner Beschreibung wieder ein Song im Song wäre. Aber das führt jetzt zu weit.
Auch im Kontext eines Live Konzerts bekommen solchen Lieder oftmals einen schönen Anstrich. Vor allem, wenn die Bands sie dazu nutzen, um mit der Spannung im Publikum zu spielen. Deswegen begab ich mich gestern Abend ins Studio 672. Akron/Family gaben sich dort die Ehre und da ich viele ihrer Lieder aus den oben genannten Gründen sehr schätze, folgte ich der Einladung eines Freundes und begleitete ihn zum Konzert.
Machen wir es kurz: Der Abend wurde zu einer Lehrstunde. Wo andere Bands es schaffen, ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen und mit ihren ausufernden Lieder einen hypnotische Stimmung zu verbreiten, verdonnerten uns Akron/Family zu 90 Minuten an der Kasse stehen, „Ich bin gleich bei ihnen“ und „Ihr Zug hat 30 Minuten Verspätung – bitte ziehen sie eine Nummer“. Denn was auf den Studioalben der Band als gute Arrangements bezeichnet werden kann und von Spannungsbogen zu Spannungsbogen flimmert, verkam auf der Bühne zu einfachen Muckertum.
Anscheinend hat die Welt noch nicht genug Songs, die sich nicht nur ihre Zeit nehmen sondern auch unsere. Gestern Abend wurde sie zumindest um einige Interpretationen bereichert. Schade eigentlich…
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